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Freie Rede: Definition, Stichwortzettel und Übungen

Freie Rede

Eine freie Rede ist ein vorbereiteter und geprobter Vortrag, den Sie nach Stichworten halten, statt ihn abzulesen oder auswendig aufzusagen. Inhalt und Reihenfolge stehen vorher fest, die genauen Formulierungen entstehen beim Sprechen.

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Was freie Rede bedeutet

In der Rhetorik unterscheidet man üblicherweise vier Arten, eine Rede zu halten: aus dem Stegreif, vom Manuskript, auswendig oder frei nach Stichworten. Im Englischen heißt die vierte Form „extemporaneous speaking“. Sie liegt in der Mitte: Das Denken ist erledigt, bevor Sie aufstehen, die Sätze sind es noch nicht. Deshalb klingen Sie wie jemand, der mit den Menschen im Raum spricht, und können auf das reagieren, was dort passiert.

Im Alltag wird „frei sprechen“ oft mit „unvorbereitet sprechen“ verwechselt. Gemeint ist das Gegenteil von Drauflosreden: recherchierter Inhalt, klarer Aufbau, mehrere laute Durchläufe und erst dann ein Zettel mit wenigen Stichworten in der Hand.

Wer dagegen ganz ohne Vorbereitung spricht, hält eine Stegreifrede. Beides lässt sich üben, aber es sind zwei verschiedene Fähigkeiten.

Freie Rede, Stegreifrede, Manuskriptrede und auswendig gelernte Rede im Vergleich

Die vier Formen unterscheiden sich darin, wie viel Sie vorbereiten und was Sie beim Sprechen vor sich haben.

FormVorbereitungWoraus Sie sprechenGeeignet fürGrößtes Risiko
StegreifredeKeine oder wenige SekundenNichtsFragen im Meeting, spontane Worte zum GeburtstagAbschweifen, kein klarer Schluss
ManuskriptredeAusformulierter TextDas Manuskript, Wort für Wort abgelesenJuristische Erklärungen, Pressestatements, exakter WortlautMonotone Stimme, Blick klebt am Blatt
Auswendig gelernte RedeAusformulierter Text, eingeprägtNur das GedächtnisSehr kurze Festreden, ein einzelner EinstiegssatzBlackout ohne Rückweg
Freie RedeRecherche, Gliederung, laute ProbenStichwortzettel oder KarteikartePräsentationen, Vorträge, Pitches, VorstellungsgesprächeZeit überziehen oder abschweifen, wenn die Gliederung unscharf ist

In der Praxis mischen die meisten: ein auswendig gelernter erster Satz, ein frei gesprochener Hauptteil und ein abgelesenes Zitat oder eine Zahl, die exakt stimmen muss.

Beispiel: Stichwortzettel für eine freie Rede

So sieht ein Stichwortzettel für einen Fünf-Minuten-Beitrag aus, mit dem jemand sein Team überzeugen will, den Jour fixe zu verlegen. Achten Sie darauf, wie wenig dort steht.

Stichwortzettel: „Jour fixe von Montag auf Dienstag“

Einstieg (ausformuliert): „Jeden Montagmorgen reden wir eine Stunde über Zahlen, die noch gar nicht da sind.“

Punkt 1: Problem Montag. Zahlen erst ab 12 Uhr; im letzten Monat dreimal jemand gefehlt.

Punkt 2: Lösung Dienstag. Daten bis 9 Uhr da, Entscheidung am selben Tag. Beispiel: Verzögerung beim Release im März.

Punkt 3: Was sich ändert. Gleicher Raum, 30 Minuten, Agenda montags um 16 Uhr.

Einwand: „Dienstag ist Kundentag.“ Antwort: Start 8:30 Uhr, um 9 Uhr fertig.

Schluss (ausformuliert): „Geben Sie mir vier Dienstage. Wenn es nicht besser läuft, gehen wir zurück.“

Nur der erste und der letzte Satz sind ausgeschrieben, denn in diesen Momenten ist die Nervosität am größten und ein fertiger Satz hilft am meisten. Alles andere sind Auslöser für etwas, das Sie ohnehin sagen können.

Freie Rede im Alltag

Wahrscheinlich sprechen Sie öfter frei, als Ihnen bewusst ist:

  • Ein Projektstatus, bei dem Sie die drei Punkte kennen, aber nichts ausformuliert haben.
  • Die Antwort auf „Erzählen Sie etwas über sich“ im Vorstellungsgespräch, wenn Sie sich am Vorabend Ihre Kernpunkte überlegt haben.
  • Eine Hochzeitsrede, die auf zwei Anekdoten aufbaut, die Sie schon oft erzählt haben.
  • Die Einarbeitung einer Kollegin anhand einer Checkliste.
  • Eine Präsentation, bei der Sie die Folien nicht vorlesen.

Als Orientierung: Mit Stichworten kommen Sie in fünf Minuten gut durch drei Punkte mit je einem Beispiel. Mehr Punkte führen fast immer dazu, dass Sie hetzen.

Freie Rede üben: fünf Schritte

  1. Gliederung schreiben, nicht die Rede

    Formulieren Sie Ihre Kernaussage in einem Satz. Darunter notieren Sie zwei bis vier Punkte, jeweils mit einer Zahl oder einem Beispiel. Sobald Sie ganze Absätze schreiben, hören Sie auf und kürzen jeden Punkt auf höchstens fünf Wörter.

  2. Dreimal laut durchsprechen, jedes Mal anders

    Stellen Sie sich hin, starten Sie die Stoppuhr und halten Sie die Rede nach der Gliederung. Beim zweiten Mal wählen Sie bewusst andere Worte. So beweisen Sie sich, dass mehrere Wege zu jedem Punkt führen.

  3. Den Zettel verkleinern

    Nach dem dritten Durchlauf übertragen Sie die Gliederung auf eine einzige Karteikarte, ein Stichwort pro Punkt. Proben Sie einmal mit der Karte. Ruft ein Stichwort den Gedanken nicht zurück, tauschen Sie das Stichwort aus, nicht die Karte.

  4. Einen Durchlauf aufnehmen und auf die Übergänge hören

    Das Handy genügt. Hören Sie nur auf die Stellen zwischen den Punkten, denn dort gerät man beim freien Sprechen ins Stocken. Legen Sie sich für jeden Übergang eine Brücke zurecht, etwa: „So viel zum Problem. Mein Vorschlag lautet …“

  5. Den Wiedereinstieg trainieren

    Lassen Sie sich mittendrin mit einer Frage unterbrechen, antworten Sie in zwei Sätzen und kehren Sie zurück, indem Sie das nächste Stichwort laut sagen: „Zum Dienstag.“ Dass Sie zurückfinden, macht die freie Rede sicherer als das Auswendiglernen.

Proben Sie Ihren Stichwortzettel laut, bevor es ernst wird

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Häufige Fehler

  • Fehler

    Ein komplettes Manuskript schreiben und es Stichwortzettel nennen. Am Ende lesen Sie ab oder finden die Stelle nicht mehr.

    Besser so

    Eine Karte, mehr nicht. Ganze Sätze sind nur für Einstieg und Schluss erlaubt.

  • Fehler

    Still im Kopf proben. Alles wirkt flüssig, bis Sie den Mund aufmachen.

    Besser so

    Laut proben, im Stehen, mit Stoppuhr. Drei gesprochene Durchläufe bringen mehr als zehn gedachte.

  • Fehler

    Den Wortlaut der besten Probe wiederholen wollen. Daraus wird eine schlecht auswendig gelernte Rede.

    Besser so

    Merken Sie sich die Reihenfolge der Gedanken und lassen Sie die Worte jedes Mal anders ausfallen.

  • Fehler

    Den Schluss dem Zufall überlassen. Die Rede endet mit „Ja, das war’s eigentlich.“

    Besser so

    Den letzten Satz ausformulieren und ihn auch dann sagen, wenn die Zeit für einen Punkt nicht mehr reicht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen freier Rede und Stegreifrede?
Die Vorbereitung. Bei der Stegreifrede haben Sie Sekunden zum Nachdenken und keine Notizen. Bei der freien Rede haben Sie recherchiert, gegliedert und geprobt, nur die genaue Formulierung entsteht im Moment.
Darf ich bei einer freien Rede Notizen benutzen?
Ja. Ein Stichwortzettel oder eine Karteikarte gehört zur Methode. Verzichten sollten Sie auf ein ausformuliertes Manuskript, weil das Ablesen genau die natürliche Sprechweise zerstört, die die freie Rede ausmacht.
Wie oft sollte ich eine freie Rede proben?
Als Faustregel mindestens drei vollständige Durchläufe, laut und mit Zeitmessung. Für fünf Minuten Redezeit sind das etwa zwanzig Minuten Probe, inklusive kurzer Korrekturen am Zettel. Bei längeren oder wichtigen Vorträgen lohnen sich mehr Durchläufe an mehreren Tagen.
Ist freies Sprechen besser als Auswendiglernen?
Für die meisten Präsentationen ja, weil Sie auf das Publikum eingehen und nach einer Unterbrechung weitermachen können. Auswendiglernen ist bei sehr kurzen Texten sinnvoll, bei denen jedes Wort zählt, etwa beim letzten Satz eines Trinkspruchs.
Welche Struktur eignet sich für den Stichwortzettel?
Jede, die wenige Teile hat und unter Druck abrufbar bleibt. Standpunkt, Begründung, Beispiel, Standpunkt (die PREP-Methode) passt zu kurzen Antworten. Problem, Lösung, nächster Schritt passt zu Vorschlägen. Bei Berichten beginnen Sie mit dem Ergebnis und liefern dann die Begründung.