Was Lampenfieber, Redeangst und Glossophobie bedeuten
Lampenfieber ist das Alltagswort. Es reicht vom leichten Kribbeln vor einer Tischrede bis zur zitternden Stimme in der Präsentation. Bei vielen ist es kurz vor dem Beginn und in der ersten Minute am stärksten und lässt nach, sobald sie im Thema sind.
Glossophobie kommt vom griechischen glossa (Zunge) und phobos (Furcht). Das Wort steht, wie das deutsche „Redeangst“, für eine Angst vor dem öffentlichen Sprechen, die stark ausgeprägt ist oder dazu führt, dass jemand Redesituationen ganz meidet. Im Alltag werden die Begriffe oft gleichbedeutend verwendet.
Typische Anzeichen sind Herzklopfen, ein trockener Mund, zitternde Hände oder Stimme, schnelleres Sprechen und ein leerer Kopf. Das ist unangenehm und für das Publikum meist weniger sichtbar, als es sich von innen anfühlt.
Diese Seite gibt ausschließlich Übungstipps fürs Sprechen. Wenn die Angst stark ist, lange anhält oder Sie von Dingen abhält, die Ihnen wichtig sind, lohnt sich ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson.
Wie sich das in der Praxis zeigt
- Sie beherrschen den Stoff, und der erste Satz kommt trotzdem zu schnell und zu leise.
- Ihre Hände zittern, wenn Sie den Zettel halten, also klammern Sie sich ans Pult.
- Sie verlieren den Faden, und drei Sekunden Stille fühlen sich an wie dreißig.
- Sie sagen einen Vortrag zu und hoffen dann die ganze Woche, dass er ausfällt.
- In einer Runde zu viert läuft es, vor vierzig Leuten ist alles weg.
Für jede dieser Situationen gibt es eine praktische Antwort. Keine setzt voraus, dass die Nervosität vorher verschwindet.
In den Tagen davor: so vorbereiten, dass die Nervosität weniger Angriffsfläche hat
Laut proben, nicht im Kopf
Halten Sie den ganzen Vortrag mindestens dreimal im Stehen. Stilles Proben verdeckt die Stellen, an denen Sie hängen bleiben. Lautes Proben zeigt sie, solange noch Zeit zum Ändern ist.
Die erste Minute am besten können
Am Anfang ist die Nervosität am größten. Die ersten zwei Sätze sollten so sitzen, dass sie von allein kommen. Für den Rest genügen Stichworte.
Einen Rettungssatz bereitlegen
Entscheiden Sie jetzt, was Sie bei einem Blackout sagen: „Ich schaue kurz in meine Notizen“ oder „Ich sage es noch einmal einfacher.“ Wer den Satz parat hat, braucht ihn seltener.
Vor jemandem üben
Erst eine Freundin, dann drei Kollegen, dann das eigentliche Publikum. Kleine Stufen sind leichter als der Sprung vom Badezimmerspiegel in den Konferenzraum.
Die Rahmenbedingungen klären
Sehen Sie sich den Raum an oder testen Sie den Einwahllink. Wo stehen Sie, wo steht das Wasser, wie schalten Sie die Folien weiter? Unbekanntes nährt die Nervosität.
In den zehn Minuten davor
Länger aus- als einatmen
Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie bis vier, atmen Sie durch den Mund aus und zählen Sie bis sechs. Ein bis zwei Minuten lang. Viele Rednerinnen und Redner werden damit ruhiger, und Sie haben die Luft, die eine volle Stimme braucht.
Sich bewegen
Gehen Sie den Flur auf und ab, kreisen Sie die Schultern, schütteln Sie die Hände aus. Das Adrenalin will irgendwohin.
Die Stimme aufwärmen
Summen Sie, und sprechen Sie Ihren ersten Satz zweimal in voller Lautstärke, irgendwo, wo Sie niemand hört. Die ersten Worte des Tages sollten nicht die ersten Worte Ihres Vortrags sein.
Dem Gefühl einen anderen Namen geben
Sagen Sie sich „Ich bin bereit“ oder „Diese Energie kann ich gebrauchen“ statt „Ich habe Panik“. Aufregung und Vorfreude fühlen sich im Körper ähnlich an, und manche kommen mit dem zweiten Etikett besser zurecht.
Mit einer Person aus dem Publikum sprechen
Kommen Sie früh und wechseln Sie ein paar Worte mit jemandem. Dann haben Sie zu Beginn mindestens ein bekanntes Gesicht.
Während Sie sprechen
Langsamer anfangen, als es sich natürlich anfühlt
Nervosität macht schnell. Sprechen Sie den ersten Satz, halten Sie eine volle Sekunde inne und sprechen Sie dann den zweiten. Diese eine Pause gibt das Tempo für den ganzen Vortrag vor.
Pro Satz eine Person ansehen
Bringen Sie einen Gedanken bei einem Zuhörer zu Ende und wechseln Sie dann zum nächsten. So wird aus einem Saal eine Reihe kurzer Gespräche.
Den Händen eine Aufgabe geben
Legen Sie sie aufs Pult, halten Sie den Presenter oder gestikulieren Sie bewusst. Legen Sie Notizzettel auf dem Pult ab, damit ein Zittern nicht auffällt.
Bei einem Blackout: Pause, einen Punkt zurück
Trinken Sie einen Schluck Wasser, schauen Sie auf Ihre Stichworte und wiederholen Sie den letzten Punkt mit anderen Worten: „Das Hauptproblem sind also die Kosten.“ Der nächste Gedanke kommt dann meist von selbst.
Nach einem Versprecher weitermachen
Korrigieren Sie in einem Halbsatz („dreißig, nicht dreizehn“) und fahren Sie fort. Das Publikum vergisst kleine Patzer viel schneller als Sie.
Sammeln Sie die ersten Wiederholungen ohne Publikum
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Häufige Fehler
Fehler
Erst zusagen wollen, wenn man sich ruhig fühlt.
Besser so
Sprechen Sie in kleinen, harmlosen Situationen, obwohl Sie nervös sind. Sicherheit entsteht durch Wiederholung, nicht durch Warten.
Fehler
Jedes Wort auswendig lernen, um sicher zu sein. Ein vergessener Halbsatz bringt dann alles zum Einsturz.
Besser so
Lernen Sie nur Einstieg und Schluss auswendig und sprechen Sie den Rest nach Stichworten.
Fehler
Zu Beginn ankündigen: „Entschuldigung, ich bin total aufgeregt.“
Besser so
Beginnen Sie mit Ihrem vorbereiteten ersten Satz. Die meisten hätten nichts bemerkt.
Fehler
Jahrelang jeder Redegelegenheit ausweichen.
Besser so
Suchen Sie sich diesen Monat eine kleine: eine Frage im Meeting, ein Zwei-Minuten-Update.
